Kaum sind die Wahllokale geschlossen, tritt der Kanzler vor die Presse. Ungewöhnlich genug, dass überhaupt das Kanzleramt Stellung nimmt am Abend einer Landtagswahl. Ein starker Hinweis darauf, dass diese Wahl in Mecklenburg-Vorpommern eine besondere war. Friedrich Merz nennt das Ergebnis für seine CDU im Nordosten "ein Desaster".
Cdu-Spitzenkandidat Peters: "Kein Rückenwind Aus Berlin"
Als Daniel Peters, der Spitzenkandidat der CDU, aus seinem Auto steigt, um in die Wahlstudios zu gehen, die vor dem Schweriner Schloss aufgebaut sind, wirkt er blass. Ob er die Bewertung des Kanzlers teilt? "Ja", sagt er. Zu diesem Zeitpunkt liegt die CDU in den Hochrechnungen noch bei fünf Prozent oder knapp darüber.
Später am Abend rutscht die Partei unter die Fünf-Prozent-Marke und das Ergebnis für die Christdemokraten ist ernüchternd: Sie sind raus, sind im nächsten Landtag nicht mehr vertreten.
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Afd-Spitzenkandidat Schult: "Wir Haben Den Regierungsauftrag"
Wahlsieger ist die AfD. Sie hat es geschafft, ihr Ergebnis von 2021 mehr als zu verdoppeln und stärkste Kraft zu werden. "Wir haben den Regierungsauftrag", sagt Spitzenkandidat Enrico Schult. Man könne eine so große Partei wie die AfD nicht außen vor lassen.
Allerdings haben alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit abgelehnt.
Wahlverhalten Nach Bevölkerungsgruppen:mecklenburg-Vorpommern: Afd Bei Männern Vorn, Spd Bei Frauen
Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Doch bei den Älteren und den Frauen ist die SPD stärkste Kraft. Ein Überblick in Grafiken.Grafiken
Auch das BSW kommt für eine wie auch immer geartete Kooperation nicht mehr infrage. Kurz nach der ersten Hochrechnung, als noch unklar war, ob die Partei den Einzug in den Landtag schafft, hatte sich Spitzenkandidat Peter Schabel noch gesprächsbereit gezeigt:
"Wir stehen für Gespräche mit allen Parteien zur Verfügung und wir favorisieren den überparteilichen Ministerpräsidenten in einem Parlament mit wechselnden Mehrheiten." Am späten Abend wird klar: Das BSW schafft den Sprung ins Parlament nicht.
Trotz Aufholjagd Landet Die Spd Nur Auf Platz 2
Auf der Wahlparty der SPD in der Orangerie des Schlosses herrscht betretenes Schweigen, als um 18 Uhr die Prognose auf den TV-Monitoren auftaucht. Zu sehr hatten die Sozialdemokraten gehofft, dass sie ihren politischen Hauptgegner, die AfD, überflügeln könnten.
Die Aufholjagd, die sie seit Anfang des Jahres und besonders in den letzten beiden Monaten hingelegt hatten, war bemerkenswert. Am Ende hat es aber dann doch nicht ganz gereicht.
Erst als Manuela Schwesig auf der Wahlparty erscheint, brandet Applaus auf. Schwesig hat ihren Wahlkampf konsequent durchgezogen und ihren Amtsbonus als Ministerpräsidentin voll ausgeschöpft. Ihre Partei trat geschlossen auf.
Besonders in den letzten beiden Wochen nahm sie mit ihrer "Die Frau gegen Blau"-Kampagne die AfD gezielt ins Visier. In beiden TV-Duellen attackierte sie ihren Herausforderer Leif-Erik Holm direkt.
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Schwesig Beansprucht Regierungsauftrag
"Ja, es ist schon bitter, wenn man eigentlich über 35 Prozent einfährt, es nicht mehr reicht, stärkste Kraft zu werden", sagt Manuela Schwesig. Einen Regierungsauftrag sieht sie aber dennoch.
Die Mehrheit der Wähler habe die AfD nicht gewählt. Und so wolle sie mit den anderen Parteien sprechen, außer der AfD, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Schließlich hätten Umfragen gezeigt:
"Dieser Zuspitzungswahlkampf war ein Fehler", sagt Simone Oldenburg, die Spitzenkandidatin der Linken. Mit Schwesigs SPD saß sie in den letzten fünf Jahren in einer Koalition am Kabinettstisch. Jetzt hat Oldenburgs Partei rund ein Drittel an Stimmen eingebüßt.
Kommt Jetzt Rot-Rot-Grün?
Eine mögliche Koalition könnte wohl nur mit SPD, Linken und den Grünen geschmiedet werden, die den Wiedereinzug in den Landtag knapp geschafft haben.
So sieht es Claudia Müller, Spitzenkandidatin der Grünen: "Rot-Rot-Grün, das muss jetzt das Ziel sein, um dann in den nächsten fünf Jahren auch wieder Wählerinnen und Wähler der AfD für die demokratische Mitte zurückzugewinnen."
Und die FDP? Die Partei, die sich in den letzten Jahren zerstritten hatte und zuletzt sogar ihren Fraktionsstatus im Landtag verlor, landete bei einem Prozent.
Bernd Mosebach ist Leiter des ZDF-Landesstudios Mecklenburg-Vorpommern.
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