Vielleicht hat Jens Spahn auch selbst gemerkt, dass er sein Comeback ein bisschen übers Knie gebrochen haben könnte. Zumindest an einer Stelle begründet Spahn den Verzicht auf seinen Sitz im Haushaltsausschuss des Bundestags mit dem Widerstand, den er zuletzt gespürt haben dürfte.
Ich merke "an und in mir selber, dass mein Rücktritt im Juli noch viel zu frisch ist, um wieder voll durchzustarten, als wäre nichts gewesen", schreibt Spahn an die anderen Mitglieder des Ausschusses.
Als wäre nichts gewesen. Es war aber was.
So Erklärt Spahn Seinen Rückzug
"Nach reiflicher Überlegung über das Wochenende werde ich auf meinen Sitz im HHA verzichten. Alles rund um meine Person ist aktuell so politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein wird. Zudem merke ich an und in mir selber, dass mein Rücktritt im Juli noch viel zu frisch ist, um wieder voll durchzustarten, als wäre nichts gewesen.
In Absprache mit Thorsten Frei werde ich mich vorerst auf meine Arbeit für den Wahlkreis und meine Familie konzentrieren. Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten es für mich weitergeht, entscheiden wir mit etwas zeitlichem Abstand. Der Arbeitsgruppe alles Gute bei den anstehenden Haushaltsberatungen."
Quelle: Erklärung von Jens Spahn, 28. September 2026
Spahn Musste Schon Einmal Zurücktreten
Da sind nicht nur Berichte, er habe im Haushaltsausschuss gefehlt, weil er unlängst in Sizilien war. Im Juli musste Spahn als Fraktionschef der Union zurücktreten, weil er selbst etwas tat, was in Deutschland nicht geht. Weil der Eindruck entstanden war, er stünde über Recht und Gesetz.
Und auch weil seine CDU sich erst im Februar gegen Leihmutterschaft ausgesprochen hatte, er selbst aber zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass er und sein Mann auf genau diese Art und Weise Eltern werden sollten.
Als Spahn vor wenigen Wochen Mitglied des Haushaltsausschusses wurde, war die Kritik daran groß. Schon damals versuchte Spahn, die Wogen zu glätten - mit Selbstkritik. In einem Brief an die CDU-Mitglieder seines Wahlkreises in Nordrhein-Westfalen hatte er sich entschuldigt:
Schadenfreude Beim Politischen Gegner
Ein bisschen klingt Spahns Erklärung nun, als wäre es klug, nicht gleich wieder einen wichtigen Job in der Fraktion zu übernehmen. Aber auch nur ein bisschen. Denn in seiner Erklärung gibt es auch Kritik am politischen Gegner:
Wen genau Spahn meint? Das schreibt er nicht. Vielleicht Grünen-Haushaltspolitikerin Paula Pichotta? Sie schreibt in einer leicht sarkastisch anmutenden Reaktion auf X:
Oder Juso-Chef Philipp Türmer? Er prostet in einem Video auf Instagram seinen Followern zu und stößt mit ihnen leicht schadenfroh auf die Meldung "Spahn wirft im Haushaltsausschuss hin" an.
Wie Geht Es Weiter Für Spahn?
Spannend bleibt die Frage, wie es mit Spahn weitergeht. Muss der einst so mächtige CDU-Fraktionschef seine politischen Ambitionen endgültig aufgeben?
Eine Hintertür hält sich Spahn jedenfalls offen. Sein Bundestagsmandat will er behalten, sich um seine Familie und die Arbeit in seinem Wahlkreis kümmern. Spahn schreibt:
Ein weiterer Rückschlag in Spahns Karriere? Bestimmt. Das Aus seiner politischen Karriere? Eher nicht.
Dominik Rzepka ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 28.09.2026 ab 14 Uhr.
"Nach reiflicher Überlegung über das Wochenende werde ich auf meinen Sitz im HHA verzichten. Alles rund um meine Person ist aktuell so politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein wird. Zudem merke ich an und in mir selber, dass mein Rücktritt im Juli noch viel zu frisch ist, um wieder voll durchzustarten, als wäre nichts gewesen.
In Absprache mit Thorsten Frei werde ich mich vorerst auf meine Arbeit für den Wahlkreis und meine Familie konzentrieren. Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten es für mich weitergeht, entscheiden wir mit etwas zeitlichem Abstand. Der Arbeitsgruppe alles Gute bei den anstehenden Haushaltsberatungen."
Quelle: Erklärung von Jens Spahn, 28. September 2026